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Viel gelebt, wenig gedacht, was Interessantes gelesen.. so is das bisweilen. Wenn ich mich frage, was ich denn eigentlich und wirklich haben möchte und mir wünschte: so wäre es - viel Geld, um in einer Folge schwerster sexueller Excesse, sinnloser Saufereien und dementsprechender Gewalthändel endgültig unterzugehen. - so hat der Herr von Doderer das einmal gesagt.. wiewohl: mich dünkt der Excess der Tugend bisweilen durchaus förderlich.. (sc. für den katholisch sozialisierten Österreicher).. denn der Sturz vom ottakringer Wirtshausbankl adelt die unausweichliche Wiederverrichtung alltäglicher Pflichtgegenstände wenigstens mit dem Charme des guten Gewissens..

5.4.06 12:57


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Seyns-geschichte

Ein Gedanke zur Unzeit (10 nach Sieben!) : Man kann auch die formelhafte Grundfrage der Ontologie nach dem "Sein des Seienden" in einem Doppelsinn lesen, wenn man mit den Bedeutungsebenen des Genetivs herumspielt.. das Sein gehört nicht dem Seienden (etwa nach dem Schema eines höchsten Gattungsbegriffes - als etwas, das sich im diskursiven Durchlauf (dis-currere)  einzelnen Klumperts von diesem als das Extrem seiner Abstraktion noch aussagen lässt), sondern das Sein (als Substantiv mit Vollzugscharakter) des Seienden als solches (in seiner Faktizität) steht dabei in Frage.  Damit gerät die Wendung  von selbst unter das Schlaglicht der "Hinausgehaltenheit des Seienden in das Nichts" und stellt sich in der Form, die ihr (u.a.) Heidegger in der EM gegeben hat: "Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?".. [Gewisse evtl. anbrowsende Herrn Philologen mögen mir mein grammatisches Dilettantentum verzeihen - wir können das ja im Kent einmal besprechen ;-) - ich koch jetzt einen starken Kaffee, bevor ich auch noch übermüdig werd..]

31.3.06 07:32


Kritik der Aristokraten (Gen. obj. wie subj.)

Unlängst hab ich mal wieder Leonce & Lena durchgeblättert und  mich darüber amüsiert, wie der Autor des Hessischen Landboten und der erklärte (Geistes-)Aristokrat Nietzsche sich einig gewesen wären, über die Konturen des letzten, seines Lebens im Grunde über-müden, Menschen..

Büchner: Aber eigentlich wollte ich einer hohen und geehrten Gesellschaft verkündigen, daß hiemit die zwei weltberühmten Automaten angekommen sind und daß ich vielleicht der dritte und merkwürdigste von beiden bin, wenn ich eigentlich selbst recht wüßte, wer ich wäre, worüber man übrigens sich nicht wundern dürfte, da ich selbst gar nichts von dem weiß, was ich rede, ja auch nicht einmal weiß, daß ich es nicht weiß, so daß es höchst wahrscheinlich ist, daß man mich nur so reden läßt, und es eigentlich nichts als Walzen und Windschläuche sind, die das Alles sagen. (Mit schnurrendem Ton.) Sehen Sie hier meine Herren und Damen, zwei Personen beiderlei Geschlechts, ein Männchen und ein Weibchen, einen Herrn und eine Dame. Nichts als Kunst und Mechanismus, nichts als Pappendeckel und Uhrfedern. Jede hat eine feine, feine Feder von Rubin unter dem Nagel der kleinen Zehe am rechten Fuß, man drückt ein klein wenig und die Mechanik läuft volle fünfzig Jahre. Diese Personen sind so vollkommen gearbeitet, daß man sie von andern Menschen gar nicht unterscheiden könnte, wenn man nicht wüßte, daß sie bloße Pappdeckel sind; man könnte sie eigentlich zu Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft machen. Sie sind sehr edel, denn sie sprechen hochdeutsch. Sie sind sehr moralisch, denn sie stehen auf den Glockenschlag auf, essen auf den Glockenschlag zu Mittag und gehen auf den Glockenschlag zu Bett, auch haben sie eine gute Verdauung, was beweist, daß sie ein gutes Gewissen haben. Sie haben ein feines sittliches Gefühl, denn die Dame hat gar kein Wort für den Begriff Beinkleider, und dem Herrn ist es rein unmöglich, hinter einem Frauenzimmer eine Treppe hinauf- oder vor ihm hinunterzugehen. Sie sind sehr gebildet, denn die Dame singt alle neuen Opern und der Herr trägt Manschetten. Geben Sie Acht, meine Herren und Damen, sie sind jetzt in einem interessanten Stadium, der Mechanismus der Liebe fängt an sich zu äußern, der Herr hat der Dame schon einige Mal den Shawl getragen, die Dame hat schon einige Mal die Augen verdreht und gen Himmel geblickt. Beide haben schon mehrmals geflüstert: Glaube, Liebe, Hoffnung! beide sehen bereits ganz accordirt aus, es fehlt nur noch das winzige Wörtchen: Amen.

Nietzsche: Seht! Ich zeige euch den letzten Menschen.

‘Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern’—so fragt der letzte Mensch und blinzelt.

Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der Alles klein macht. Sein Geschlecht ist unaustilgbar, wie der Erdfloh; der letzte Mensch lebt am längsten.

‘Wir haben das Glück erfunden’—sagen die letzten Menschen und blinzeln.

Sie haben die Gegenden verlassen, wo es hart war zu leben: denn man braucht Wärme. Man liebt noch den Nachbar und reibt sich an ihm: denn man braucht Wärme.

Krankwerden und Misstrauen-haben gilt ihnen sündhaft: man geht achtsam einher. Ein Thor, der noch über Steine oder Menschen stolpert!

Ein wenig Gift ab und zu: das macht angenehme Träume. Und viel Gift zuletzt, zu einem angenehmen Sterben.

Man arbeitet noch, denn Arbeit ist eine Unterhaltung. Aber man sorgt dass die Unterhaltung nicht angreife.

Man wird nicht mehr arm und reich: Beides ist zu beschwerlich. Wer will noch regieren? Wer noch gehorchen? Beides ist zu beschwerlich.

Kein Hirt und Eine Heerde! Jeder will das Gleiche, Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig in's Irrenhaus.

‘Ehemals war alle Welt irre’—sagen die Feinsten und blinzeln.

Man ist klug und weiss Alles, was geschehn ist: so hat man kein Ende zu spotten. Man zankt sich noch, aber man versöhnt sich bald—sonst verdirbt es den Magen.

Man hat sein Lüstchen für den Tag und sein Lüstchen für die Nacht: aber man ehrt die Gesundheit.

‘Wir haben das Glück erfunden’—sagen die letzten Menschen und blinzeln.”—

Und hier endete die erste Rede Zarathustra's, welche man auch “die Vorrede” heisst: denn an dieser Stelle unterbrach ihn das Geschrei und die Lust der Menge. “Gieb uns diesen letzten Menschen, oh Zarathustra,”—so riefen sie—“mache uns zu diesen letzten Menschen! So schenken wir dir den Übermenschen!” Und alles Volk jubelte und schnalzte mit der Zunge.

30.3.06 14:46


Die Weisheit der Werbetexter - get it while you can

Her mit mehr! Keine Kompromisse.Wissen wo´s lang geht. Bakterien lauern schließlich überall! Sehr sauber, sehr sanft. Für jeden Tag gewappnet. Mit der Geschmeidigkeit der Silk-Touch-Oberfläche. Einsatz, Teamgeist, Begeisterung, Leidenschaft!  Hol das Beste für Dich raus. Denn: Zu viele Menschen sterben, weil sie nicht angeschnallt sind: Um Cellulite loszuwerden, sagen sie einfach: „Good bye!“, unsere Piloten der Zukunft. Sicher ist sicher.

29.3.06 00:36


Manchem Langzeitbewohner des Philosophischen Institutes sollte man das Lesen von einem intellektuellen Sachwalter einteilen lassen.. sie laufen sonst nicht nur Gefahr ihre Umgebung mit bibliothekarisch gelagertem Präsentierverhalten zu quälen - sie werden im schlimmsten Fall auch noch Wissenschafter und verlernen vor lauter Dialektik das Spazierengehen.  Kommen Sie meine Herren! Es wird Frühling. Gehn Sie symmetrisch!

28.3.06 00:36


Hirngeschichte

Das Feuilleton belehrt uns neuerdings mit einer gewissen Penetranz über die stupenden Erfolge der Neurowissenschaft. Schön. Wir haben uns ohnehin schon  gewöhnt, an die Korrelation von technologischen und anthropologischen Revolutionen. Fortschritte in der genaueren Wesensbestimmung des Menschen sind gleichsam eine Frage der steigenden Sophistication medizinischer Vermessungstechnik. Die bunten Visualisierungen verschiedener Gehirnprozesse nehmen wir gerne zur Kenntnis. Verglichen mit den langatmigen und spekulativen Traktaten der Philosophen, sind sie geradezu charmant und suggerieren darüber hinaus noch die zwingende Verbindlichkeit des Faktischen. Denken, Fühlen, Handeln - unplugged sozusagen. Ohne humanistischen Zierrat. Weil: Was immer das alles jetzt sein mag, „frei“ ist es jedenfalls nicht. Denn das Gehirn, so erfahren wir,  sieht sich, einmal vor die Wahl gestellt,  verschiedenen Faktoren ausgesetzt, im der Entscheidung vorausgehenden Augenblick – die gerinnen dann zu einem kleinen Lebensfragment, etwa dem Kauf einer schwer cholesterinhältigen Wurstsemmel - wider ärztlichen Rat und besseres Wissen.  Und ja. Auch die Philosophen müssen es jetzt einsehen. So wie Kant sich das vorgestellt hat geht das nicht. Weil „Die Willensfreiheit, die .. philosophisch gemeint ist, bezieht sich … ausschließlich auf Entscheidungsprozesse, die auf der Basis des Bewusstseins nach sprachlichen, rationalen Spielregeln verhandelt werden“ (Neurowissenschafter Singer, Die Zeit Nr. 29, 2005). Kurz auf ein  Epiphänomen der, freundlichen aber  leider sehr abstrakten Prozesse, denen wir das Entscheiden von jetzt an beruhigt überlassen dürfen. Gut so. Wir freuen uns, wir Philosophen. Endlich dürfen wir auch unsere Freunde von der naturwissenschaftlichen Fakultät willkommen heißen, in den Wirren der Postmoderne. Die Begräbnisfeierlichkeiten zu Ehren des souveränen Subjekts sind allerdings schon eine Weile im Gange – und auch die geladene Prominenz hat sich zahlreich schon eingestellt. Heidegger und Nietzsche hat man gesehen, in ihrem Gefolge, wenn auch ein wenig verschämt, die Delegation der  französischen Dekonstrukteure und Postphänomenologen, kulturtheoretisch infizierte Psychoanalytiker sowie Feld- und Systemdenker unterschiedlichster Provenienz. Eine schöne Leich, wie man in Wien gern zu sagen pflegt. Nur Kant war leider verhindert - aus Vernunftgründen, wie man sagt. Obwohl - vielleicht wollte er auch nur nicht kommen.

       hirn.jpg

27.3.06 21:16


principium contradictionis

Heute habe ich kurz nachgedacht, über den Widerspruch - nicht als logische, sondern als gelebte Form. Das war mehr ein Bild: so als wären wir in unserem je konkret gelebten Leben die Überbrückung einander entgegengesetzter Möglichkeiten. Weil auch hier gilt ja der Satz von der Determinatio, die eine Negatio ist. Interessant auch dazu das Heraklitfragment zur "gegenwendigen Einheit" der Gegensätze. Das Innestehen im Feld konträrer, lebbarer Variationen meiner Selbst als ein Begriff von Freiheit. Ich selbst (die realisierte Möglichkeit) bin dieses Feld und als lebendiger Möglichkeitssinn, als jemand dem es in seinem Sein um dieses Sein selbst geht, davon immer angesprochen und aufgefordert den Widerspruch als Freiheit auszutragen und auszuhalten. Der "Schwindel der Freiheit" macht widerspruchslos und eingleisig.  Pff.. sehr existentialistisch. Muss ich bei Kierkegaard nachlesen..

27.3.06 02:36


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