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Ein Tag zihalistisch gebrochener Oiko-virilität. Und ich hab was gelernt: Für das Auffinden verlorener Gegenstände rufe man den Dämon Rohel, für das Anzeigen nämlichen Verlustes aber besser das magistratische Bezirksamt an (unter Beachtung der je supra- wie sublunaren Parteiverkehrszeiten).
23.3.06 23:52


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Doderer (1) - Dämonen

Lange habe ich mich gefragt, beim Durchgang durch die Doderersche Geisterwelt, worin es gründet, das Dämonische der Dämonen. Und zunächst scheint es ja so, als hätten wir da schon ein historisches Perspektivenproblem. Als könnten wir, selbst Zerfledderte, das Beunruhigende nicht mehr erkennen, das da liegt. In den Geschichten vom österreichischen Industriedracula und seiner Inquisitionsobesession etwa, oder den dicken Damen eines Herren von Schlaggenberg. Vom entwurzelten Abgleiten proto-postmoderner Menschen der 20er in dekadente Parallelwirklichkeiten. Man lässt sich halt auch gerne führen, durch ein Panoptikum fragmentierter Inselornithologen, die je ihren privaten Vogel pflegen - noch dazu von einem Herren, der selbst ordentlich gemeldeter Einwohner war, in einer wohl befestigten zweiten Wirklichkeit.

Er hat sich wohl selbst zu den Dämonen gezählt, der Herr von Doderer und seinen eigenen Schatten gelegt, über das Personal seiner Geisterbahn - da haben sie dann gar nicht mehr so charmant ausgesehen, die weltoffenen, erotischen Maniaken. Eher wie ein Stawrogin, oder ein Werchowenskij.. wie Menschen, denen die Welt schon zum Bild geworden ist, das seine Konturen nur mehr unter dem Licht ihrer jeweiligen Besessenheiten gewinnt. Abgesperrt, von einer Seinserfahrung, die den Dingen ihr Eigenrecht zu bewahren weiß, ohne sie sich ideologisch zurechtbrennen zu müssen. Techniker und Konstrukteuure eben, die nicht recht einsehen wollen, dass etwas da gewesen sein muss, bevor man davon einen Plan zeichnen kann. Weil: Der Maniak ist ein Macher, von prinzipiell demiurgischem Zuschnitt. Er kommt nicht aus der Welt heraus auf sich zu, er belästigt sie ständig mit subtilen Verbesserungsvorschlägen, mit feinen Justierungen an der Mechanik des Uhrwerkes, dass verdammt nocheinmal endlich im vorgeschriebenen Takte (!) zu gehen hat. Und als Urgnostiker bringt er das Kunststück fertig, sich den Boden auf dem er steht gleich selber unter die Füsse zu legen - auf die eine oder andere Schlamperei kommts dabei nicht an. Die lässt sich später begradigen.

Da mögen ihn die Ingenieure geplagt haben, den Herrn von Doderer, und die dicken Damen, der Hang zum stilisierten Manierismus, die zweite Wirklichkeit.. weil: wo Welt und Ich in der "reinen Apperzeption" zusammenfinden, da ist Authentizität auch eine Frage des genauen Hinhören-Könnens. Ohne Bauanleitungen für ein standesgemäßes Selbst.

Und wenn wir das als Bestimmungsgrund des Dämonischen fassen, dass wir auf einer Erdkugel stehen, die ihren Ursprung nicht mehr in einer Frage hat, dass wir in uns selbst es nicht zu einer Ständigkeit bringen, die aus der ersteren Fragwürdigkeit sich nährt.. dann schauts ordentlich dämonisch aus rundherum.
24.3.06 04:03


Es gibt eine neue Jolie Holland CD, übrigens. Eh ganz schön, aber ein wenig lack of intimacy, leider.  Und: ich habe mir heute den Zielpunkt versüßt, mit einem Gedanken zum amor fati - was demnächst hier ein Nachspiel haben wird, denke ich.

25.3.06 15:06


principium contradictionis

Heute habe ich kurz nachgedacht, über den Widerspruch - nicht als logische, sondern als gelebte Form. Das war mehr ein Bild: so als wären wir in unserem je konkret gelebten Leben die Überbrückung einander entgegengesetzter Möglichkeiten. Weil auch hier gilt ja der Satz von der Determinatio, die eine Negatio ist. Interessant auch dazu das Heraklitfragment zur "gegenwendigen Einheit" der Gegensätze. Das Innestehen im Feld konträrer, lebbarer Variationen meiner Selbst als ein Begriff von Freiheit. Ich selbst (die realisierte Möglichkeit) bin dieses Feld und als lebendiger Möglichkeitssinn, als jemand dem es in seinem Sein um dieses Sein selbst geht, davon immer angesprochen und aufgefordert den Widerspruch als Freiheit auszutragen und auszuhalten. Der "Schwindel der Freiheit" macht widerspruchslos und eingleisig.  Pff.. sehr existentialistisch. Muss ich bei Kierkegaard nachlesen..

27.3.06 02:36


Hirngeschichte

Das Feuilleton belehrt uns neuerdings mit einer gewissen Penetranz über die stupenden Erfolge der Neurowissenschaft. Schön. Wir haben uns ohnehin schon  gewöhnt, an die Korrelation von technologischen und anthropologischen Revolutionen. Fortschritte in der genaueren Wesensbestimmung des Menschen sind gleichsam eine Frage der steigenden Sophistication medizinischer Vermessungstechnik. Die bunten Visualisierungen verschiedener Gehirnprozesse nehmen wir gerne zur Kenntnis. Verglichen mit den langatmigen und spekulativen Traktaten der Philosophen, sind sie geradezu charmant und suggerieren darüber hinaus noch die zwingende Verbindlichkeit des Faktischen. Denken, Fühlen, Handeln - unplugged sozusagen. Ohne humanistischen Zierrat. Weil: Was immer das alles jetzt sein mag, „frei“ ist es jedenfalls nicht. Denn das Gehirn, so erfahren wir,  sieht sich, einmal vor die Wahl gestellt,  verschiedenen Faktoren ausgesetzt, im der Entscheidung vorausgehenden Augenblick – die gerinnen dann zu einem kleinen Lebensfragment, etwa dem Kauf einer schwer cholesterinhältigen Wurstsemmel - wider ärztlichen Rat und besseres Wissen.  Und ja. Auch die Philosophen müssen es jetzt einsehen. So wie Kant sich das vorgestellt hat geht das nicht. Weil „Die Willensfreiheit, die .. philosophisch gemeint ist, bezieht sich … ausschließlich auf Entscheidungsprozesse, die auf der Basis des Bewusstseins nach sprachlichen, rationalen Spielregeln verhandelt werden“ (Neurowissenschafter Singer, Die Zeit Nr. 29, 2005). Kurz auf ein  Epiphänomen der, freundlichen aber  leider sehr abstrakten Prozesse, denen wir das Entscheiden von jetzt an beruhigt überlassen dürfen. Gut so. Wir freuen uns, wir Philosophen. Endlich dürfen wir auch unsere Freunde von der naturwissenschaftlichen Fakultät willkommen heißen, in den Wirren der Postmoderne. Die Begräbnisfeierlichkeiten zu Ehren des souveränen Subjekts sind allerdings schon eine Weile im Gange – und auch die geladene Prominenz hat sich zahlreich schon eingestellt. Heidegger und Nietzsche hat man gesehen, in ihrem Gefolge, wenn auch ein wenig verschämt, die Delegation der  französischen Dekonstrukteure und Postphänomenologen, kulturtheoretisch infizierte Psychoanalytiker sowie Feld- und Systemdenker unterschiedlichster Provenienz. Eine schöne Leich, wie man in Wien gern zu sagen pflegt. Nur Kant war leider verhindert - aus Vernunftgründen, wie man sagt. Obwohl - vielleicht wollte er auch nur nicht kommen.

       hirn.jpg

27.3.06 21:16


Manchem Langzeitbewohner des Philosophischen Institutes sollte man das Lesen von einem intellektuellen Sachwalter einteilen lassen.. sie laufen sonst nicht nur Gefahr ihre Umgebung mit bibliothekarisch gelagertem Präsentierverhalten zu quälen - sie werden im schlimmsten Fall auch noch Wissenschafter und verlernen vor lauter Dialektik das Spazierengehen.  Kommen Sie meine Herren! Es wird Frühling. Gehn Sie symmetrisch!

28.3.06 00:36


Die Weisheit der Werbetexter - get it while you can

Her mit mehr! Keine Kompromisse.Wissen wo´s lang geht. Bakterien lauern schließlich überall! Sehr sauber, sehr sanft. Für jeden Tag gewappnet. Mit der Geschmeidigkeit der Silk-Touch-Oberfläche. Einsatz, Teamgeist, Begeisterung, Leidenschaft!  Hol das Beste für Dich raus. Denn: Zu viele Menschen sterben, weil sie nicht angeschnallt sind: Um Cellulite loszuwerden, sagen sie einfach: „Good bye!“, unsere Piloten der Zukunft. Sicher ist sicher.

29.3.06 00:36


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