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Die Esos kriegens auch ab..

Der Esoteriker ist der Dogmatiker des Ausnahmezustandes. Sein Auftrag folgt einer Agenda entlang des klassischen Gegensatzes von Schlafen und Erwachen dem gleichsam von selbst eine Anthropologie von Gnostikern und Hyletikern entspricht.

Garstiger Alchemist, der er nun einmal ist, verwandelt er die flüchtige Wahrheit ephemerer Augenblicke gesteigerten Gewahrseins in normative Suggestionen esoterischen Übermenschentums.  „Fürwahr!“ deklamiert er, oder etwas dergleichen, die Originalrekonstruktion einer indianischen Schwitzhütte verlassend, sein Chillum absetzend oder frisch aus dem Schamanenworkshop heimgekehrt, „vorher war ich blind herr, aber jetzt kann ich sehen!“ In erster Linie natürlich, dass die anderen alle blind sind..  – und ja, entgegnet ihm der alte Hippie: „Wer noch  niemals stoned vom Tiramisu probiert hat, der hat umsonst gelebt...“ und beide haben recht, beide freuen sich, über eine neue Qualität ihrer Erfahrung, über die Außerordentlichkeit des Gewöhnlichen, die Dignität des Trivialen..  jetzt erst weiß man, was sehen, was fühlen, was wissen bedeutet... allein, sie haben scheinbar nicht zugehört, als Leonce seinerzeit elegant dem Valerio das „omnis determinatio..“ beigebracht hat: „Ach, der Teufel ist nur des Kontrastes wegen da, damit wir begreifen sollen, daß am Himmel doch eigentlich etwas sei“..

Es tut ihnen Weh, den kleinen, zerbrechlichen Lichtseifenblasen, wenn wir sie zur Norm degradieren. Wir verkennen die eigentliche Natur des Außergewöhnlichen, das Heilige des Heiligen, das Erhabene des Erhabenen, wo wir uns zu Anwärtern auf die Erleuchtung erklären wollen, zum ordentlich gemeldeten Einwohner einer „zweiten Wirklichkeit“.  Finden denn wir, das transzendenzfähige Tier, nicht erst als sterbliches zur Schönheit unserer eigensten Tragik und Größe?  Wir sind das sterbliche Buddha-Tier, der Schatten des Achill und kein Opfer wird uns retten, et omnia vanitas. Das betrifft im übrigen nicht nur uns und das Sonnensystem, wie uns die Dokumentarfilmer der BBC gerne blelehren, sondern den Kosmos überhaupt.. wir bedürfen der 1000 gleichgültigen, flüchtigen Lebens- und Vollzugsautomatismen – sie sind der dialektische Preis des Entzückens, in dem sie aufgehoben werden.  Das Heilige macht bei uns prinzipiell nur Zwischenstation und entlässt uns wieder, mehr oder weniger sanft, in die Welt realer Beziehungen und Verantwortlichkeit. Bis in kleinste Verästelungen hinein sind wir verwachsen, mit dieser endlichen Welt, und genauso, wie wir nun einmal sind..

1.6.09 00:39


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